Zivilrecht | Ein Ziviltechniker haftet bloß für „branchenübliches“ Wissen

(derPlan 32/2015, Seite 13 – ArchIng)

Ein Ziviltechniker haftet für seine Leistungen bekanntlich nach dem erhöhten Sorgfaltsmaßstab eines Sachverständigen (§ 1299f ABGB).

Dies erfasst aber nicht Spezialwissen, welches durch individuelle Erfahrung gesammelt werden kann. Im Ausgangsfall hat ein Architekt im Zuge der Bauwerksplanung zwar den am Grundstück befindlichen Bach erkannt (bzw. auch in seine Planung weitestgehend eingebunden), jedoch ist die hiervon ausgehende Hochwassergefahr unberücksichtigt geblieben. Nach der Auffassung des Obersten Gerichtshofs hat der Architekt auf die Richtigkeit der Angaben im Flächenwidmungsplan bzw. im Wasserbuch vertrauen können (OGH 4.6.2014, 7 Ob 82/14f); tatsächlich fehlten jegliche Informationen im Flächenwidmungsplan bzw. im Wasserbuch.

Für die Planungspraxis bringt diese Entscheidung, im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung allfälliger Haftungsansprüche wegen Planungsmängel, ein gewisses Maß an Rechtssicherheit. Obwohl klargestellt ist, dass auch ein Sachverständiger bloß für sein „branchenübliches“ Sachwissen haftet, bleibt weiterhin ausreichend Grauzone bei der Auslegung des „branchenüblichen“ Wissens. Zur Interpretation könnten aus praktischer Sicht – in Analogie zur Auslegungsfrage betreffend Umfang der Befugnis eines Ziviltechnikers – die universitären Ausbildungsnachweise (zB Lehrveranstaltungszeugnisse) herangezogen werden.